VERANSTALTUNGSFORMAT

Alumni Neujahrsempfang

Vortragsveranstaltung

Der alumni Neujahrsempfang ist die Flagship-Veranstaltung im jährlichen Alumni-Veranstaltungskalender und verbindet hochkarätige Impulse mit persönlichem Austausch und Networking.

Nach einem Sektempfang erwartet die Gäste eine Keynote einer renommierten Persönlichkeit aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik oder Gesellschaft. Im anschließenden Q&A besteht die Möglichkeit, die Impulse des Vortrags gemeinsam zu diskutieren. Ein gemeinsames Fingerfoodbuffet bietet anschließend Raum für persönliche Gespräche und entspanntes Networking.

Zu den Gästen der vergangenen Jahre zählten unter anderem Prof. Dr. Norbert Lammert, Otmar Issing, Generalleutnant Wolfgang Wien, Prof. Volker Wieland und Prof. Dr. Veronika Grimm.

Neujahrsempfang 2025
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Neujahrsempfang 2025

Beim Jahresauftakt der Alumni-Vereinigung e.V. im FBC beeindruckte der frühere Chefvolkswirt von Bundesbank und EZB, Otmar Issing, mit spannenden Anekdoten aus seinem Leben als Notenbanker. Ein Rückblick auf das Ereignis.

​​​​​​Die Begeisterung war allgegenwärtig am Mitwochabend, gegen 20 Uhr im Kasino des FBC. „Unglaublich spannend. Der kann ja reden wie ein Buch“, sagte beispielsweise Mathias Passeck, einer der mehr als 100 Alumni-Hachenburg-Mitglieder, die beim Neujahrsempfang der Vereinigung waren. Astrid Lipfert, Gründungsmitglied der Alumni-Vereinigung 2004 und stellvertretende Abteilungsleiterin im Zentralbereich K, war beeindruckt, dass der 88-jährige Referent ohne Notizen anderthalb Stunden im Stehen sprach und alle Details im Gedächtnis parat hatte: „Ein inspirierender Abend mit einem großartigen Zeitzeugen der europäischen Geldpolitik.“

Der, von dem alle so angetan waren, war Otmar Issing. Der frühere Chefvolkswirt von Bundesbank und EZB war der Festredner bei der Jahresauftaktveranstaltung. Bundesbank-Vorstandsmitglied Lutz Lienenkämper, zu dessen Verantwortungsbereich auch die Hochschule der Bundesbank in Hachenburg gehört, würdigte in seiner Begrüßung Otmar Issing: „Sie sind für viele Menschen und auch für mich, bildlich gesprochen, das Lichtsignal im Leuchtturm, das weithin sichtbar die Wirtschaft vor Gefahren warnt und der Bevölkerung und den Institutionen unseres Landes Orientierung gibt.“

Gleichzeitig lobte das Vorstandsmitglied auch die Entwicklung der 2004 gegründeten Alumni-Vereinigung Schloss Hachenburg, die im letzten Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feierte: „Sie haben 700 Mitglieder bei rund 4 500 Absolventinnen und Absolventen der Hochschule. Das heißt, gut jeder siebte Ehemalige ist Mitglied, das ist beeindruckend.“ Und der Personaldezernent hob auch die Bedeutung der Hochschule der Bank für die Personalakquise in Zeiten des demografischen Wandels hervor: „Wenn es Hachenburg nicht gäbe, müssten wir es jetzt erfinden.“

Otmar Issing, der bereits in seiner Zeit als Chefvolkswirt der Bundesbank einen Vortrag an der Hochschule der Bundesbank gehalten hatte, nahm das Publikum auf eine Zeitreise mit, die er vor kurzem in seinem Buch „Von der D-Mark zum Euro – Erinnerungen eines Chefvolkswirts“ niedergeschrieben hat. Und er überraschte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit der Aussage, dass er 1990 nur durch „Zufall Notenbanker“ geworden sei: „Kein anderer Arbeitgeber als die Bundesbank hätte mich von meiner Tätigkeit als Wissenschaftler an der Universität Würzburg weglotsen können.“ Und er verriet dem Publikum auch, dass in seinem Umfeld eine gewisse Skepsis vorherrschte, ob er in der Bundesbank glücklich werde: „Eine Journalistin fragte mich in einem Interview. Sie haben jetzt seit 50 Semestern nur Vorlesungen gehalten. Können Sie denn überhaupt noch etwas Anderes?“ Und seine Frau konnte sich auch nicht vorstellen, dass er in der Bundesbank glücklich werde: „Da musst Du jeden Tag mit Krawatte am Schreibtisch sitzen.“

In der Tat fremdelte Otmar Issing am Anfang etwas in der Bundesbank (siehe auch Interview unter dem Bericht). Nicht mit der Aufgabe. Die Frage, ob die Geldmengenpolitik nach der Wiedervereinigung noch passend sei für die Bundesbank, fand er sehr spannend und herausfordernd. Doch die hierarchische Arbeitsweise schmeckte ihm nicht, wie er mit einem Beispiel verdeutlichte: „Wenn ich etwas über die Entwicklung einer bestimmten Kategorie im Warenkorb der Verbraucherpreise wissen wollte, fragte ich den Hauptabteilungsleiter, der das dann über die Hierarchie bis zum jeweiligen Experten weiterreichte. Von dort ging es dann über den Hauptabteilungsleiter wieder an mich zurück.“ Diese ineffektiven, langsamen und bürokratischen Prozesse beseitigte er nach wenigen Wochen: „Ich habe gesagt, ich will direkt mit den Fachleuten sprechen. Aber ich denke, solche bürokratischen Prozesse aus den 1990er-Jahren sind heute längst passe.“ Diese Aussage löste doch bei manchem Bundesbankbeschäftigten im Publikum leichtes Stirnrunzeln aus.

Im weiteren Verlauf erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer auch noch, dass der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl auf die Idee des damaligen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer, Issing als deutsches EZB-Direktoriumsmitglied zu nominieren, erwiderte: „Hat dieser Professor schon jemals etwas Positives über den Euro gesagt?“ Tietmeyer antwortete, wie er später Issing mitteilte: „Wahrscheinlich nicht. Aber es ist für die Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung besser, als wenn Sie einen Euro-Euphoriker ins EZB-Direktorium senden.“ Otmar Issing verschwieg nicht, dass gerade die Anfangszeit in der EZB für ihn als Chefvolkswirt besonders schwer gewesen sei, weil es keine halbwegs homogenen Daten und Statistiken über den neuen Währungsraum gegeben habe, die der EZB-Rat seinen Entscheidungen zugrundelegt.

In der Diskussionsrunde, die der Alumni-Vorsitzende Kai Dreßler aus dem Zentralbereich B moderierte, wurde Issing gefragt, ob sich denn seine damals kritische Einstellung zum Euro geändert habe? „Ich war nie ein Gegner der Währungsunion, aber ich war kritisch, weil die Währungsunion meiner Meinung nach zu früh und mit zu vielen Ländern startete, die nicht auf den Wegfall fehlender Wechselkurse vorbereitet waren. Aber ich wollte meinen Beitrag dazu leisten, dass der Euro ein Erfolg wird.“ Und abschließend betonte er: „Ich habe gesagt, der Euro ist kein Selbstläufer, dafür muss hart gearbeitet werden. Das gilt bis heute.“

Text: Matthias Endres
Foto: Bert Bostelmann